Kategorie: vertiefte musische Ausbildung

  • Vox Lucensis 2026 – leuchtende Stimmen und leuchtende Herzen

    Vox Lucensis 2026 – leuchtende Stimmen und leuchtende Herzen

    „Cantare insieme unisce le nazioni“ (dt. „Gemeinsames Singen verbindet Nationen“) lautete das Motto des internationalen Chorwettbewerbes Vox Lucensis in Lucca, welcher vom 28. bis 31. März 2026 in fünfter Ausgabe stattfand. Für den Jugendchor des Clara-Wieck-Gymnasiums Zwickau war es das erste Mal, an einem Festival in solch Dimension, Bedeutung und Vielfalt teilzunehmen – und hoffentlich nicht das letzte Mal.

    Wo wir bereits bei den Zahlen sind: Dank der großartigen Organisation INTERKULTUR kamen ungefähr tausend Chorsängerinnen und Chorsänger aus zwölf verschiedenen Ländern in Lucca zusammen, um die Freude am Singen zu teilen. Die zwanzig Chöre, welche miteinander konkurrierten, wurden von einer hochkompetenten Jury bewertet. So reichte ihre Expertise von geistlicher Musik bis hin zu Jugend – und Kammerchören. Unser Chorleiter Herr Voigtländer nahm die Herausforderung an und entschied, dass wir in zwei Kategorien antreten. Innerhalb eines Jahres studierten wir im Zuge verschiedener Projekte das Wettbewerbsprogramm ein, welches unterschiedlicher nicht hätte sein können: Zwischen alter und neuer Musik, einem berührendem Spiritual mit Emma Schumann (Kl. 10m) als Solistin und zahlreichen Bodypercussioneinheiten sowie Choreografien war alles dabei. Dabei vermochte es Herr Voigtländer, fünfzig Schülerinnen und Schüler durch die Leidenschaft für das Musizieren zu vereinen.

    Die Reise startete in der Nacht vom 27. auf den 28. März. Glücklicherweise dauerte die Fahrt zwei Stunden weniger, womit wir schon 14 Uhr vorm Hotel „Carignano“ standen. Zwar waren wir nicht ganz ausgeschlafen, aber hatten nun genug Zeit, um die Zimmer zu beziehen. Der Dank gilt unseren Busfahrern, Frank und Andreas, die uns sicher an jedes Ziel gebracht haben. Abends besuchten wir das Eröffnungskonzert, welches von vier Chören gestaltet wurde: Als Zeichen des Friedens sangen wir den Kanon „Dona nobis pacem“. Anschließend wurden wir zurück zum Hotel gefahren, wo ein leckeres Zwei-Gänge-Menü auf uns wartete. Müde von der Reise gingen die meisten früh ins Bett – und doch hatten wir alle Vorfreude auf die kommenden Tage.

    Bereits am nächsten Morgen breitete sich die Wettbewerbsstimmung aus, denn wir sollten in unserer ersten Kategorie, der geistlichen Musik, antreten. Nach dem Frühstück fuhren wir direkt ins Zentrum, da wir zehnminütige Stellproben hatten. Zwischendrin nutzten wir unsere Freizeit, um diverse italienische kulinarische Höhepunkte zu erleben. Doch nun wurde es ernst: Wir bereiteten uns sowohl stimmlich als auch mental auf den Auftritt vor, welcher sehr gut lief. Unabhängig von unserer Darbietung haben wir es genossen, so ein wunderschönes Programm (Schütz und Reger :)) in einer Kirche mit einer derart fantastischen Akkustik musizieren zu dürfen. Völlig von Emotionen geladen gingen wir im Anschluss zu einem Freundschaftskonzert, in dem wir professionelle Chöre hören konnten. Ein gelungener Tag endete.

    Der Montag begann nach einem ausgiebigen Frühstück mit einer Chorprobe, da heute die Kategorie Jugendchor stattfand. Wir verbrachten unseren Mittag in der Stadt, um etwas Leckeres zu essen, ein Plätzchen in der Sonne zu suchen sowie das wundervolle Lucca zu erkunden. Nach einem eher hektischen Umziehen im Bus liefen wir zum Konzertort. Auch dieser Auftritt glückte uns. Etwas erschöpft, dafür erfüllt ließen wir den Abend bei einem köstlichen Essen ausklingen.

    Der entscheidene Tag brach an: der Tag der Ergebnisbekanntgabe. Am Morgen wussten wir bereits, dass sich sieben andere Chöre für die Grand Prize Competition qualifiziert haben. Zunächst ging es für uns wieder in die Innenstadt – manche erledigten Einkäufe, andere fuhren mit einem fahrradartigen Wagen auf der Stadtmauer. Um 17 Uhr startete das Finale. Wir staunten darüber, dass die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war. Die Chöre lieferten sich ein richtiges Kopf-an-Kopf-Rennen, denn alle Teilnehmer bieteten Hochglanzleistungen. Doch der Chor Sola Gratia Chorale aus den Philippinen gewann den Wettbewerb schließlich. Diese Sängerinnen und Sänger besaßen nicht nur eine brilliante Gesangstechnik, sondern tanzten und spielten die Musik. Auch wir waren erfolgreich, so erhielten wir in beiden Kategorien ein Silberdiplom! Wieder angekommen im Hotel wertete Herr Voigtländer die letzten Tage mit uns aus. Am Ende richtete er sich an die Lehrkräfte sowie Zwölftklässlerinnen und Zwölftklässler, was uns sehr berührte.

    Auf der Rückfahrt beschlossen wir, dass die Reise noch nicht zu Ende war: Wir hatten viel Spaß und sangen Lieder, es wurde sogar eine kleine Band aus einer Ukulele und einem Klaviermischpult aufgebaut! Gegen 22 Uhr erreichten wir Zwickau, erneut früher dank unserer Busfahrer.

    Eine Vielzahl von Menschen hat dazu beigetragen, dass diese Woche unvergesslich wird. Zu aller erst danken wir dem Förderverein sowie allen Spenderinnen und Spendern für die finanzielle Unterstützung. Wir möchten dabei die Mitwirkung der Schulleitung hervorheben, welche diese  Reise überhaupt ermöglicht hat. Ganz besonders bedanken wir uns bei Frau Palitzsch, unserer stellvertretenden Schulleiterin, die zusammen mit Herrn Kirchner und Herrn Meyer unsere Aufsichtsperson war – ohne dieses Dreiergespann wäre die Zeit nur halb so lustig gewesen. Die größte Anerkennung gebührt Frau Urban und Herrn Voigtländer: Als Chorverantwortliche hat Frau Urban nicht nur die gesamte Reise organisiert, sondern war rund um die Uhr für uns ansprechbar und kann sich somit zurecht die Chormutti nennen. Doch all dies wäre zwecklos, würden wir nicht an einem gemeinsamen Strang ziehen. Und so sagen wir Herrn Voigtländer Danke, dass wir durch seine Leitung in unserem Können und Vertrauen sowie unserer Disziplin und Hingabe wachsen.

    Elsa Müller und Sara Borodi (Kl. 12)

  • Lernen vor Ort

    Lernen vor Ort

    Exkursionsbericht Leipzig

    Am 22.01.2026 fuhren wir, der Jugendchor des Clara-Wieck-Gymnasiums, zusammen mit Herr

    Voigtländer und Frau Fischer, im Rahmen des Jahres der jüdischen Kultur nach Leipzig.

    Wir starteten den Tag bereits auf der Fahrt musikalisch mit dem jüdischen Choral „Shalom

    Aleichem“, zu deutsch: Friede sei mit euch!

    Dieses Lied sollte uns den gesamten Tag über begleiten und sowohl vor dem Gewandhaus auf

    dem Augustusplatz in Leipzig, als auch in einer jüdischen Synagoge als Abendgebet erklingen.

    Nach einer 1,5-stündigen Busfahrt kamen wir nun zunächst am Gewandhaus Leipzig an, wo wir

    sogleich vom Leiter des Gewandhauschores, Gregor Meyer, begrüßt wurden.

    Bereits das Foyer beeindruckt seine Besucher mit einem Deckengemälde, das zu den größten

    Europas zählt, sowie mit seinen unregelmäßig angeordneten Treppen. Unser Weg führte uns

    anschließend in den großen Konzertsaal. Dieser überzeugt nicht nur mit seinen rund 1900

    Sitzplätzen und deren Anordnung im Stil eines Amphitheaters, sondern auch mit seiner gewaltigen

    Orgel. Diese ist eine der größten Konzertorgeln Deutschlands und verfügt über ganze 6.845 fest

    verbaute Orgelpfeifen.

    Ab 10:00 Uhr fand eine Generalprobe zweier Werke mit stark jüdischem Zusammenhang statt, die

    wir besuchen durften. Für ein Konzert waren die 1. Sinfonie von Paul Ben-Haim sowie „Avodath

    Hakodesh“ von Ernest Bloch ausgewählt worden. Ich kann jedem nur empfehlen, sich diese oder

    andere Werke einmal im Gewandhaus Leipzig anzuhören und über die Professionalität der

    Musiker zu staunen.

    Nach dieser Probe gingen wir zu dem nur wenige Minuten entfernten Wohnhaus von Felix

    Mendelssohn Bartholdy. Dieser war, wie wir erfuhren, nicht nur Komponist und Musiker in Leipzig,

    sondern prägte die musikalische Geschichte der Stadt noch weitreichender. Er gründete die

    Hochschule für Musik und Theater als erstes Konservatorium Deutschlands, um jungen

    Menschen, Erwachsenen und sogar Frauen den Weg zu musikalischer Weiterbildung zu

    ermöglichen.

    In seinem Wohnhaus wurde auf drei Etagen ein Museum eingerichtet, das jedoch nicht nur

    Mendelssohns eigene Geschichte, sondern auch die seiner Familie, Freunde und seiner eher

    unbekannten, aber musikalisch ebenso begabten Schwester Fanny Hensel thematisiert. Leider

    verstarb er bereits mit 38 Jahren an einer Reihe von Schlaganfällen.

    Die anschließende Zeit bis 17:00 Uhr hatten wir nun die Möglichkeit, auch die Altstadt Leipzigs

    selbstständig zu erkunden.

    Wir trafen uns schließlich zu unserer Führung in einer jüdischen Synagoge. Eine Frau namens

    Julia Merzogitova empfing uns und erklärte, dass diese Synagoge als eine von wenigen den

    Zweiten Weltkrieg überstehen konnte. Das augenscheinlich wenig aufregende Gebäude

    entpuppte sich von innen als wahre Überraschung. Der hohe Raum mit blauen Wänden und

    goldenen Ornamenten sowie einem Altar und Sitzreihen wirkte wie aus einem orientalischen

    Märchen, und alle waren sichtlich begeistert. Wir erfuhren, dass die Synagoge erst 1848

    wiedereröffnet werden konnte – damals mit nur 17 Mitgliedern – und heute wieder eine Gemeinde

    von rund 1300 Mitgliedern bildet.

    Nach dieser abrundenden Stunde beendeten wir den Tag mit einem traditionell jüdischen Choral

    und gingen müde, aber zufrieden zu unserem Bus zurück, der uns wieder nach Zwickau bringen

    würde.

    Ich glaube, alle konnten sich an diesem Tag etwas mitnehmen.