Das war das Motto unserer gemeinsamen Chorfahrt nach Leipzig vom 18. bis 20.09.2026.
Zusammen mit dem Jugendchor hatten wir die Ehre, den Leipziger Gewandhauschor sowie das Orchester kennenzulernen und mit ihnen das Konzert „De Profundis“ zum Jahr der jüdischen Kultur zu gestalten.
Von Anfang an war das Glück auf unserer Seite: Der Zug, den wir hätten nehmen sollen, verspätete sich, und wir hätten unseren Anschluss verpasst. Glücklicherweise erwischten wir jedoch einen früher fahrenden Zug, der uns die pünktliche Ankunft am Gewandhaus ermöglichte.
Direkt ging es mit der Probe los. Schon beim Einsingen wurde uns bewusst, dass wir unter echten Profis gelandet waren. Gregor Meyer, Chorleiter und Dirigent des Orchesters, begrüßte uns gemeinsam mit allen anderen Teilnehmern herzlich und nahm uns direkt mit in den Alltag eines Berufsmusikers. Die Stimmen mischten sich sofort, und die Chöre schmolzen förmlich zu einer großen Familie zusammen. Ein eindrucksvoller Tenor, begleitet von einem mächtigen Bass, ein warmer Alt sowie Soprane in Höhen so leicht wie noch nie zuvor – unheimlich beeindruckend und natürlich auch eine große Quelle der Inspiration.
Orchester und Solisten ließen nicht lange auf sich warten, und schon bald verwandelte sich ein A-cappella-Stück in ein gigantisches Konzert. Das Orchester wurde zudem von den Musikern der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz unterstützt.
Das Konzert war in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes: Hans Gál, der Komponist des Werkes und selbst jüdischer Herkunft, schrieb das Stück in einer Zeit der Isolation. 1933 war es für ihn unmöglich und zu gefährlich, in Deutschland oder Österreich beruflich oder familiär Fuß zu fassen. Die Musik half ihm, das traumatisch Erlebte zu verarbeiten und den Zuhörern eine oft verborgene emotionale Seite zu offenbaren.
Auch seine Tochter, Eva Fox-Gál, die extra mit dem Bus aus England anreiste, musste damals gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer Mutter diese beschwerliche Reise auf sich nehmen. Noch heute setzt sie sich für die Verbreitung und Aufführung der Werke ihres Vaters ein. Sie besuchte uns persönlich bei unseren Proben und beim Konzert.
Nach dem Einsingen am Samstagmorgen wurde uns im persönlichen Gespräch mit Eva klar, dass das Werk Gál die Möglichkeit bot, all das in seiner Musik auszudrücken, was er nicht sagen konnte. Wir lernten dadurch die Musik noch einmal aus anderen Perspektiven kennen und auch musizieren. Aber nicht nur sie, auch Gáls Enkel, Simon Fox-Gál, der live aus seinem Tonstudio in Griechenland zugeschaltet wurde, war an dem Konzert beteiligt: Er war dafür verantwortlich, dass das gesamte Stück als Tonaufnahme festgehalten wurde – eine Erfahrung, die wir zum ersten Mal machen durften.
Schon bald wird das gesamte Konzert auf CD erhältlich sein, und alle sind herzlich eingeladen, die Macht dieser Musik zu erleben.
Jetzt sitzen wir im bequemen Reisebus zurück auf dem Weg nach Zwickau, tief beeindruckt, berührt und auch ein bisschen traurig, dass es schon wieder vorbei ist.
In diesem Sinne: „Hoffnung ist ein fester Stab und Geduld ein Reisekleid.“
von Amelie Neef & Johannes Papp







