TSS Entré 1

In der Dunkelheit und in völliger Stille ist das Zeitgefühl ein anderes. Das erfahren auch die im Schlosssaal Platz genommenen Gäste. Es ertönt Pink Floyds „Time“. Die schwarz gekleideten Protagonisten des Abends scheinen wirr und doch klar strukturiert über die mittlerweile erleuchtete Bühne zu eilen. Als jeder seinen einstudierten Platz eingenommen hat, folgen Rezitationen von Aussprüchen zum Thema Zeit und deren Verunnützung oder aber deren sinnvoller Brauchbarkeit – eben: Time & tune.


Der vom Autor Eckard Klages vorgegebene „szenische Baukasten“, der den Umgang von Menschen mit der Zeit veranschaulicht, soll von den Akteuren variiert, aktualisiert, mit eigenen Ideen versehen zu einem abendfüllenden Programm zusammengefasst werden. Diesem Anliegen stellten sich auch die Teilnehmer des Kurses Theater-Sprache-Spiel (TSS) der Klasse 12 in ihrem öffentlichen Wertungsvorspiel im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunst im Schloss“. Die vorwiegend weiblichen Darsteller (nur ein männliches Ensemble-Mitglied!) brachten ein dreizehn Szenen umfassendes Stück auf die Bühne, dass dem Anliegen des Autors vollends entsprach: Es soll mit heiteren Einzelszenen unterhalten.

TSS konsoleEine geschickt konstruierte Abfolge der Spielszenen zeigt zunächst „einen hektischen Typ Frau“ und anschließend den „Zwei Axel“, das Mindest-Maß an Langsamkeit, um einen Bewegungsmelder auszulösen. Dem Zuschauer wird vor Augen geführt, welche Bedeutung Augenblicke des Weltgeschehens noch haben, dass ein Lottogewinn letztendlich jetzt noch freie Momente klaut, weil auf den Gewinner „neue zeitimmense Geldaufgaben“ warten. Schlimmer sei es allerdings, Zeit zu verschlafen oder sich seinem „Zeitschicksal“ wehrlos zu ergeben. Selbstverwirklichung heißt die Lösung. Daran ändern auch nicht die mehr oder weniger vertanen aber notwendigen oder angenehmen Zeiten beim Essen, auf der Toilette oder beim Sex. Auf alle Fälle muss sich etwas ändern im Zeitbudget, deren Aufteilung und dessen Ausfüllen.

TSS kleines MFür manche Dinge muss die Zeit allerdings reifen. Das verdeutlicht die letzte in sich in sechs Bildern vorgetragene Inszenierung. Es ist die Zeit des Erwachsen Werdens, bei dem weder die Freundin, die große Schwester, die Eltern oder sonstiges Umfeld die Ideallösung haben. Es ist aber der Aspekt des Lebens, in dem der Umgang mit der Zeit gelehrt wie gelernt wird. Das war zumindest die Botschaft von time & tune, die schauspielerisch, mit viel Improvisation, einem spartanisch aber ideenreichen Bühnenbild nachdenklich, lebensnah, auch mal komödiantisch vom Kurs TSS engagiert umgesetzt wurde. Mehrfach herzlicher Applaus und eine geforderte (sicherheitshalber schon mal einstudierte) Zugabe waren Zeugnis dafür. Ob der Wunsch vieler Gäste, Auszüge dieses Abends zum Schlossfest noch einmal sehen zu wollen, umgesetzt wird… das wäre eine echt tolle Zugabe.        red


Übrigens: time&tune nennt sich ebenso eine App, die zeigt, wie Zeit gemeinsam nutzvoll verbracht werden kann. Zumindest ein Anfang für diejenigen, die mit ihrer Zeit gar nicht wissen, etwas Sinnvolles anzufangen.



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